Kurz: Wo ich gestartet bin, warum Konstanz meine eigentliche Stärke ist, und was mich ein Rennen mit einer Strafe, die ich bis heute nicht verstehe, mental gelehrt hat.
Ganz unten gestartet
Meine erste Strecke war Valencia, der Circuit Ricardo Tormo. Danach kam Barcelona, eine Strecke, die ich vorher kaum kannte. Meine erste Runde dort lag bei rund 1:55, schnelle Referenzfahrer sind etwa 1:42 unterwegs.
In den Liga-Rennen wurde ich am Anfang teilweise komplett überrundet. Ich war da noch nicht gut, und das war auch in Ordnung. Genau diesen Ausgangspunkt wollte ich festhalten.
Konstanz ist meine Stärke
Meine grösste Stärke ist Konstanz. In den Rennen hatte ich oft Gegner, die eine schnellere einzelne Bestrunde fuhren als ich. Über das ganze Rennen war ich aber im Schnitt schneller, mit weniger Fehlern und ruhiger unter Druck. Genau deshalb lande ich am Ende oft vor Fahrern, die auf einer einzelnen Runde schneller sind.
Für mich zeigt sich Stärke nicht in der schnellsten Runde, sondern darin, wie viel von meiner Leistung ich über ein ganzes Rennen abrufen kann.
An schlechten Tagen
Über ein einzelnes Rennen bin ich konstant. Über mehrere Tage schwankt die Tagesform trotzdem. An einem Tag lief es richtig gut, am nächsten plötzlich deutlich schlechter.
Dafür habe ich mir einen Blickwinkel verankert, der bis heute trägt: An einem schlechten Tag nehme ich dieses tiefere Niveau bewusst als neue Baseline. Ich vergleiche mich dann nicht mit meinem besten Tag, sondern steigere mich von dort, wo ich gerade stehe, wieder Schritt für Schritt nach oben.
Warum dieser Blickwinkel den Druck rausnimmt
Würde ich mich nach einem schlechten Tag sofort mit meinem Bestwert messen, kämen schnell Frust und Demotivation. So aber kann ich mich über die nächsten Wochen wieder steigern und meinen alten Bestwert irgendwann übertreffen. Es gab sogar Tage, an denen ich gar nicht reingekommen bin. Auch dann bin ich drangeblieben und habe am nächsten Tag von neuem angesetzt. Genau das macht es zu einem Ausdauer-Ding und nicht zu einer Frage der Tagesform.
Wie ich besser wurde
Ich musste nicht alles allein herausfinden. Ich habe mir gezielt bessere Fahrer und ein paar gute Videos angeschaut, zum Beispiel zur Blicktechnik, also woran man Brems- und Gaspunkte festmacht. Solche Orientierungspunkte nehme ich vorher bewusst auf und überlasse den Rest dann meinem Körper.
Für mich ist die Reihenfolge wichtig: erst abschauen, dann selbst fühlen, dann anpassen. Nicht einfach kopieren, sondern mit dem eigenen Gefühl verbinden. Und ich nehme mir pro Trainingsblock nur einen Fokus vor, statt zehn Dinge gleichzeitig verbessern zu wollen.
Der erste kleine Schritt nach vorne
Nach ein paar Tagen kam auf Barcelona mein bis dahin bestes Liga-Rennen. Aus Startplatz zwölf wurde Platz neun, und es war der erste Lauf, in dem mein Rating wieder nach oben ging statt nach unten. Dabei habe ich sogar sechs Fahrer hinter mir gelassen, die höher eingestuft waren als ich.
Vorne war ich damit noch lange nicht. Aber es war ein echter, spürbarer Schritt, und genau solche kleinen Schritte interessieren mich. Wenn du magst, kannst du den Verlauf dieses Rennens Runde für Runde in meinen Renndaten nachschauen.
Was mich der Start mental gelehrt hat
Mein grösster Trigger ist Ungerechtigkeit. In einem dieser frühen Rennen kam einiges zusammen.
Zuerst wurde ich von einem anderen Fahrer abgeschossen und fiel ans Ende des Feldes. Dann bekam ich auch noch eine Durchfahrtsstrafe, die ich bis heute nicht verstehe: einmal mit 50 km/h durch die Boxengasse, während ich ohnehin schon weit hinten lag. Der Rückstand war damit riesig.
Im ersten Moment war da Wut. Das ist doch nicht fair.
Ich habe die Wut kurz gespürt, geatmet und den Blick wieder nach vorne gerichtet, statt im Ärger hängen zu bleiben. Und obwohl ich weit zurücklag, habe ich danach noch Gegner überholt, die schnellere Einzelrunden fuhren als ich.
Der Fortschritt war nicht, dass keine Wut da war. Der Fortschritt war, dass sie mich nicht übernommen hat. Das ist meine RRA-Methode in Aktion: erkennen, was gerade ist, kurz regulieren, und die Energie dorthin lenken, wo ich sie wirklich brauche, auf die nächste Kurve.
Die drei Schritte in genau dieser Situation
Realitätscheck: Ich bin abgeschossen worden und habe eine Strafe bekommen, die ich nicht verstehe. Der Rückstand ist da, ich kann ihn nicht wegdenken.
Regulation: Wut kurz spüren, einmal bewusst ausatmen, den Körper wieder lockern. Nicht die Geschichte im Kopf weiterdrehen.
Ausrichtung: Blick weg vom Rückstand, hin zur nächsten Kurve und zum nächsten Gegner. So habe ich trotz des grossen Rückstands noch Fahrer überholt, die schnellere Einzelrunden fuhren als ich.
Was du daraus mitnehmen kannst
Am Anfang von etwas Neuem ist man selten gut. Das ist normal.
- Nach einem schlechten Tag musst du dich nicht mit deinem Bestwert vergleichen. Nimm den Tiefpunkt als Ausgangspunkt und steigere dich von dort wieder.
- Schau dir ab, wer es besser kann, und verbinde es mit deinem eigenen Gefühl.
- Wenn etwas unfair wirkt, spüre es kurz und lenke deine Energie dann zurück auf den nächsten Schritt.
Für mich spiegelt das den Alltag ziemlich genau. Auch im Leben entscheidet selten der einzelne gute oder schlechte Tag. Es geht darum, dranzubleiben, nach einem Tiefpunkt neu anzusetzen und über die Zeit ruhig konstant zu bleiben. Genau das macht Simracing für mich zu einem Übungsfeld für etwas viel Grösseres.
In der nächsten Folge nehme ich dich in die laufenden Wochen mit, mit echten Rennen und dem, was sie über Druck und Erholung zeigen.
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